HANSZIMMER-ARCHIV "SPECIAL" / HAUSBESUCH BEI MEDIA VENTURES 


Mit Klaus Badelt auf Zeitreise

"hanszimmer-archiv.de" Interview: Teil 2

 

Du hast hier schon an einer ganzen Reihe von Produktionen gearbeitet, welche ist dir denn am positivsten in Erinnerung geblieben?

Zum einen "Gladiator" und die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Ridley Scott. Je mehr du mit den renommierten Leuten arbeitest, desto offener und weniger arrogant sind die. Schließlich müssen die dir ja nichts mehr beweisen - die sind ja schon klasse. Diese Leute sind dann auch viel offener gegenüber dem, was ich dann machen "durfte". Zum zweiten der Film mit Werner Herzog, mit Sicherheit der schönste Film, an dem ich bisher gearbeitet habe.

... "Invincible".

Werner Herzog ist die komplette Ausnahme. Der Asket unter den Visionären. Das ist alles so ehrlich, was er auf die Leinwand bringt. Ein tolles Projekt, gleichzeitig wohl auch das schwierigste bisher.

Du hast die Musik mit Hans geschrieben?

Ja, wobei ich das meiste geschrieben habe. Hans war in dieser Zeit sehr beschäftigt, und so habe ich mit Werner die ganzen Sachen geschrieben. Zudem sehr stressfrei, weil er sehr vorsichtig mit dir umgeht und dir viel Raum zur Entfaltung gibt.

Das andere Projekt war "Gladiator". War deine Beteiligung von Anfang an geplant?

Eigentlich schon. Das Konzept war zweigeteilt. Die Idee bestand darin, einen ganz anderen Inhalt für einen Gladiatoren-Film zu schaffen. Und das hat uns wirklich Arbeit gekostet, die Produzenten davon zu überzeugen. Ich erinnere mich noch gut an das Meeting mit Hans, Steven Spielberg und mir. Wo Steven plötzlich anmerkte, dass sei ja alles schön und gut, nur wüsste er nicht, was wir mit dem Gesang vorhätten. Im ersten Moment dachte ich, da können wir jetzt das ganze Konzept umschmeißen. Aber wir haben ihm dann einige Stücke von Lisa Gerrard vorgespielt und viel darüber geredet. Er war danach auch Feuer und Flamme dafür.
Lisa kam dann rüber, und ich habe mit ihr in meinem Raum die ganzen emotionalen, tiefgehenden, langsamen, persönlichen Stücke geschrieben, während Hans alle anderen Sachen gemacht hat. So haben wir uns sehr gut ergänzt.

Das wurde also alles hier aufgenommen?

Lisa hat hier gesessen (deutet auf seinen Stuhl), und wir haben alles ohne Kopfhörer aufgenommen. Wenn du genau hinhörst, hörst du teilweise den Dialog einer ganz anderen Szene, wenn wir den Gesang verschoben haben. Wir haben das aber versucht kreativ zu nutzen, und das klingt dann sehr interessant.

Es gibt ja einen Dance-Mix von "Now we are free" ...

Ja, ich habe davon gehört. Findest du den gut ? (lacht)

... ich weiss nicht - nicht wirklich. Hältst du es generell für sinnvoll, Scorestücke im "MTV-Style" zu verändern ?

Ich bin eigentlich sehr flexibel, was Musikrichtungen angeht und nicht einer, der nur auf Orchester fixiert ist. Ich mache zudem sehr viel mit Synthesizern und progressives Zeug. Zurzeit mache ich den Film "teknolust" , das sind reine Beats und Synthesizer. Oder "The Hunger" von Tony Scott, was Harry Gregson-Williams geschrieben hat, und ich habe mitgeholfen. Oder "X-Men" als extremes Gegenteil zum Orchester - Reine Beats und progressive Sachen. Das alles mache ich auch sehr gerne und bin eigentlich gar nicht festgelegt. Somit bin ich auch gegenüber "Now we are free" sehr offen: Finde ich eigentlich cool, wenn die das machen. Wenn es gut ist und eine Faszination hat, dann habe ich nichts dagegen.

Speziell dieses Stück hat aber ein wenig Kritik erzeugt ...

O.K., es gibt viel Schrott, und es gibt viele gute Sachen.

Auf der zweiten "Gladiator"-Scheibe hast du auch ein Remix von "Now we are free" gemacht.

Auf der zweiten CD ist all das Material, was wir eigentlich produziert haben und was nicht im Film ist oder keinen Platz auf der ersten CD hatte. Eigentlich war dieser "Remix", der letzte Cue von der letzten Szene im Film. Lange Zeit war dies die Idee, wie man aus dem Film rausgeht. Es sollte wie eine Befreiung sein, jeder bekommt im Film ja eigentlich, was er wollte. Wir haben uns am Ende umentschieden, weil es einfach zu neu war. Wir sind dann doch zurückgegangen und haben gesagt, lasst uns was machen was wir schon hatten - nur anders.

Wer war im einzelnen an diesen Vocals beteiligt? Das ganze hatte ja einen sehr afrikanischen Touch ...

Das war ein World Music Chor, ganze drei Sänger, die wir dann übereinander gestapelt haben. Wir hatten ja am Ende wenig Zeit. Das Orchester war schon aufgenommen, da schraubten wir immer noch am letzten Cue. Wir haben sehr viel probiert. Es war nicht so, dass das neue Ende keiner mochte. Aber wir haben doch das bestehende Material verwendet, damit es nicht zu neu wurde und nicht mehr funktionierte.

Wie war die Zusammenarbeit mit Lisa Gerrad?

Fantastisch. Sie ist einfach ein außergewöhnlicher Mensch. Sehr warmherzig und ausdrucksstark - sowohl musikalisch als auch als Mensch. Ich möchte unbedingt wieder was mit ihr machen.

Hattest du dann auch direkt wieder den Kontakt mit ihr bei "M:I-2"?

Ja, genau. Da kam sie auch als "Gaststar" dazu ...

War dieser "Gaststar" überhaupt mit eingeplant?

Das war überhaupt nicht geplant. Wir steckten plötzlich in zwei Szenen und dachten daran, welchen Inhalt Lisa schon bei "Gladiator" erzeugen konnte. Wir haben sie einfach angerufen, und sie ist dann noch mal herübergekommen. Anders als bei "Gladiator": Da war alles so spät. Wir bekamen noch eine Änderung per Internet, als sie schon längst in Australien war. Wir hatten aber nur ein paar Stunden Zeit, haben aufgenommen, ihr es geschickt und sie hat es quasi auf dem Sprung nach England schnell aufgenommen. Das war unglaublich.

Was stand bei dir denn noch bei "M:I-2" auf dem Programm?

Bei "M:I-2" habe ich die undankbarsten Szenen gemacht. (lacht)

Zum Beispiel ...

Vor allem die Action-Szenen. Diese Motorrad-Verfolgungsjagd, immer da, wo viel Lärm ist.

Auch den Track "Bio-Techno" ...

Nein, das war Mel Wesson. Ein fantastischer Sound-Designer und Programmer aus England, der hier war und diese Nummer gemacht hat. Ich habe noch an der Chorstelle geschrieben, in der Szene vor dem "Chase", wo Tom Cruise scheinbar erschossen wird, und plötzlich stellt sich heraus, dass es gar nicht Tom Cruise ist. Das war auch so eine Sache mit dem Chor, denn auf der Dub-Session wurde plötzlich entschieden, doch noch einen richtigen Chor aufzunehmen. Das war Samstagabend - Montagmorgen hatten wir dann schon den Chor in London aufgenommen und gemischt. Über das Internet ging's zurück, und ich habe noch einen Text geschrieben. Alles innerhalb weniger Stunden: Das ganze war wirklich eine Mission Impossible.

Ein ähnliches Projekt war "Chill-Factor" ...

Oh, das ist der Film, über den wir nicht reden. (lacht) Ein echtes Media Ventures Projekt, denn jeder hat ein bisschen mitgerührt. Ich habe ein paar Szenen gemacht, genauso wie Jeff Rona, John Powell oder Hans. Das ganze haben wir als Fun-Projekt gesehen.

Kennst du noch deine Szene ?

Oje, da waren viele Action-Szenen ...

Die Szene im „Daily“ vielleicht ?

Das war mein Thema, was aber John Powell dann noch verbogen hat. Die Musik auf dem Damm ist von mir, bis hin zur großen "Escape" Szene. Eigentlich immer, wenn ein Hubschrauber fliegt und man nichts mehr hört. Hubschrauber killen alle Musik. (lacht) Aber das war alles fun - mit der Musik haben wir das Rad sicherlich nicht neu erfunden.

 

Weiter mit Teil 3

 


 

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