HANSZIMMER-ARCHIV "SPECIAL" / HAUSBESUCH BEI MEDIA VENTURES   


Mit Klaus Badelt auf Zeitreise

"hanszimmer-archiv.de" Interview: Teil 3

 

Mehr persönlicher Ehrgeiz steckt wohl in "The Pledge" ...

Ja, das war ein ganz spezielles Ding. Wir hatten nur zehn Tage Zeit, um die Musik aufzunehmen, zu schreiben und abzuliefern. Wir standen dabei unter sehr starkem Kaffee-Einfluss. Ich hatte insgesamt drei Tage um die Themen rauszuhauen. Mit vier sehr guten Musikern haben wir uns dann hier im Studio zusammengesetzt und jede Szene besprochen: Welches Thema könnte jetzt in Frage kommen. Haben uns dann in den Aufnahmeraum gesetzt und live zum Bild gespielt und die Tracks so aufgebaut. Da war keine Zeit, um richtig zu schreiben. Das war schreiben, aufnehmen und mischen gleichzeitig. Sean Penn kam zwischendurch herein, setzte sich auf die Coach und hat uns seinen Input gegeben.

Den Film hast du auch zusammen mit Hans gemacht ...

Ja, er kam oft dazu und sagte: "Wie wär's denn damit?" Hat uns alle ein wenig verwirrt und ging wieder raus. Und wir konnten dann probieren, was er damit meinte. (lacht) Aber Hans hatte seine Hände im Spiel und es war eine klasse Kollaboration.

Eine weitere dieser Sorte war "Hannibal" ...

"Hannibal" war sehr wichtig, denn je weiter wir mit dem Projekt kamen, desto mehr Freiheit hat mir Hans gegeben. Umso mehr konnte ich dann mit dem Regisseur Ridley Scott und unserem fantastischen Cutter Pietro Scalia zusammenarbeiten. Am Anfang war es eigentlich so: Die "Bad Guys" bei Ridley Scott sind ja irgendwie immer vielschichtig, es gibt nie einen simplen Bösen. Unsere Frage war nun, wie wir eine ganz andere Art von Spannung einbringen und kamen dann zu einem Strauß-Walzer, weil das einfach sein Geschmack ist. Also habe ich probiert, einen krummen Johann Strauß zu schreiben, und das ist gar nicht so einfach. Einige Wochen habe ich bestimmt damit verbracht. Beim Ergebnis lachst und schluckst du gleichzeitig - das war auch die Idee: Die reden über die furchtbarsten Sachen, und du bist eigentlich am Schmunzeln. "Hannibal" haben wir als Romantic Comedy gesehen - genaugenommen eine Beziehungskomödie.
Die schönste visuelle Szene war die, in der Julianne Moore nach der Operation aufwacht. Da sind diese typischen Ridley-Scott-Merkmale dabei, wie etwa die Ventilator Einstellung. Da hatte ich wirklich Glück, dass ich die machen durfte.

"Pearl Harbor" von Michael Bay war dann wieder schnelle Arbeit ?

Zu dieser Zeit war ich mit "Invincible" beschäftigt. Hans war dann eigentlich schon bei "Pearl Harbor", und ich habe "Invincible" praktisch alleine durchgezogen. Mit "Invincible" wurde ich dann früher fertig, bevor er mit "Pearl Harbor" fertig war, und das war der Fehler (lacht). So bin ich mitten in "Pearl Harbor" hineingerutscht. Ich habe einfach ausgeholfen, denn wir hatten monumental viel Musik, und das war nicht leicht. Ich habe dann den Angriff auf Pearl Harbor gemacht - immer die Action-Szenen wo viel Lärm ist (lacht) - nur diesmal waren es keine Helikopter, sondern Propeller. Außerdem den Luftkampf, wo die Bomben fliegen und der Gegenschlag beginnt. Das war ein zwölf Minuten Cue und der kann ganz schön lange dauern. Wir dachten erst, dass dies ein herkömmliches Action-Cue sei. Dieser wurde aber dann zum eigentlichen Politikum. Der ganze Cue hat uns lange Zeit gekostet. Auf der Dub-Stage wurde hin und her entschieden, neu aufgenommen, und es wurden viele Überlegungen angestellt. Am meisten Spaß machte eigentlich die Wiederbelebungsszene, wo Ben Afflack aus dem Wasser an die Oberfläche stößt. Zusammen mit dem Chor - ein Track, in dem wohl am meisten Herz von mir drinsteckt. Ich fand, das war auch visuell sehr schön gemacht.

Sollte der eigentliche Angriff der Japaner auf Pearl Harbor ohne Musik ablaufen ?

Ja. Wir haben einen fantastischen Music Editor, der stark am Konzept beteiligt war. Er und Hans hatten dann die Idee, dass dieser Angriff doch viel erschreckender und tiefer kommt, wenn man ihn nicht einfach untermalt, sondern vielmehr diese unendliche Leere läßt. Die Überraschung ist dann viel größer. Aber selbst bei solchen Kommerz-Schinken wie "Pearl Harbor", wo reiner Kommerz und keine Kunst geboten wird, ist es wichtig, eine hohe Qualität abzuliefern und neue Ideen einzubringen. Immer zu versuchen, das ganze noch auf die Spitze zu treiben.

Hattet ihr dazu wieder wenig Zeit?

Es war O.K. Wir hatten genug Zeit, obwohl es sehr viel Musik war. Und das geht auch nur im Team: Hans hat geschrieben, zusätzlich waren ich und zwei, drei Leute zum arrangieren dabei.

Das Thema der Japaner war also auch von Hans?

Ja, Hans hat alle Themen geschrieben. Dafür hat er lange Zeit gebraucht und das hat sich auch ausgezahlt. Alle Themen waren also schon geschrieben, bevor er angefangen hat, zum Bild zu schreiben.

Es kursierten da mal diverse Gerüchte: Wird es noch eine zweite "Pearl Harbor"-CD geben (wie bei "Gladiator") ?

Vielleicht. Wir hatten in der Soundtrack-CD thematisch eigentlich alles drin. Klar, wir haben noch jede Menge Musik - aber ich persönlich würde keine neue CD machen. Wenn du was rausbringst, dann muss es was Neues sein. Aber ich weiss es nicht genau, vielleicht machen sich ja einige Leute Gedanken, was man noch rausbringen könnte.

Wie sieht es bei deinen Projekten aus?

"The Pledge" und "Invincible" werden bei Milan veröffentlicht.

Letzte Frage: Was machst du zurzeit und wie siehst du deine Zukunft?

Da habe ich wieder mehrere Sachen (lacht): Zurzeit mache ich den Miramax-Film "Equilibrium" und das Hauptding "Time Machine". Und das wird mich natürlich wieder mal beschäftigt halten.

Interview mit Klaus Badelt von Dirk Hein
Thanks to Ramin Djawadi und Kevin Globerman
Fotos: Dirk Hein

(c) hanszimmer-archiv.de 2001
Geführt September 2001 in Los Angeles
Media Ventures Studios / Santa Monica / U.S.A.

Klaus Badelts Filmmusik zum neuen Streifen "The Time Machine" ist als Score-Soundtrack bei Varese Sarabande erschienen. Der Film lief im Kino und folgte auf DVD und VHS-Video von Warner Brothers.

 

"Equilibrium" Session mit Richie Nieto, Geoff Zanelli und Klaus Badelt (v.l.)

 Foto: Dirk Hein / (c) hanszimmer-archiv.de 2001


 

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