Steve Jablonsky
"Der Ersatz-Komponist mag Chow Yan Fat"

hanszimmer-archiv.de präsentiert Media Ventures Komponisten im Portrait


Harry's bester Mann

Nach Armageddon und Gregson-Williams auch Solo auf Erfolgskurs

 

Mit Ameisen kennt er sich aus, rannte mit Hennen aus Knetgummi und machte Appetit auf die Pearl Harbor Schlachtplatte. Steve Jablonsky, der Name sagt nicht jedem etwas, trotzdem hat man die Klänge des Nachwuchs-Komponisten irgendwo schon einmal gehört. hanszimmer-archiv.de traf sich mit Steve während seiner Arbeit am Dreamworks-Pferde-Galopper Spirit - Der wilde Mustang in Santa Monica.

Herbst 2001: Ein Raum in den Media Ventures Studios versinkt im Chaos. Lose Kabelschnüre, gestapelte Racks, verstreute Synthesizer. "Sorry, momentan ist hier Umzugsgebiet", sagt Steve. Schließlich ist es genau die Zeit, in der sich der ehemalige Assistent von Harry Gregson-Williams quasi selbstständig macht und in seinen eigenen MV-Raum zieht.

Steve Jablonsky, geboren am 09.10.1970, studierte am University of California at Berkeley bevor er zur Filmmusik kam. Zunächst ging's mit den Independent-Streifen Border to Border und Anywhere but here los. Dann folgte Harry.

Und mit Harry wurde es ausführlicher: arrangieren, den Synthesizer programmieren, die CD zusammenstellen und in ständiger Regelmäßigkeit auch zusätzliche Arrangements und Cues schreiben. Den Anfang nahm diese kreative Kollaboration mit dem eiskalten Thriller Smillas Sense of Snow (Fräulein Smillas Gespür für Schnee), eine von Bernd Eichinger produzierte Roman-Verfilmung.


Lob für Pearl Harbor

Weiter ging's mit den Klau-Zwergen in The Borrowers (Ein Fall für die Borger) und dem leider nur wenig beachteten Lügen-Thriller Liar (Deceiver), wahrhaft packend von den Pate-Brothers verfilmt, u. a. mit Tom Roth und Chris Penn. Ins Actionfach ballerten The Replacement Killers (Die Ersatzkiller), stilistische Martial-Arts-Spezialitäten mit Chow Yun-Fat. "Mit dem Namen konnte Harry erst gar nichts anfangen. Ich liebe die Chow Yun-Fat Filme, darum war es etwas besonders Musik für den Film schreiben zu können", erinnert sich Steve über die Arbeit an dem rhythmischen Synth-Score. Als Belohnung folgte dann auch der erste größere Credit in der bei Varese Sarabande erschienen Soundtrack-CD.

Jeder Menge Arbeit stürzte 1999 bei Armageddon auf das Komponisten-Duo Harry Gregson-Williams und Trevor Rabin ein. Neben den Programmings (gemeinsam mit John van Tongeren und Don Harper) konnte Steve mit zusätzlicher Musik die Asteroiden-Brocken auf Kurs bringen. Von ihm stammt etwa auch die furiose Main Title Sequenz, in der uns (zumindest in der US-Fassung) die Offstimme von Charlton Heston erklärt, wie das war, als noch die Dinosaurier unseren Planeten beherrschten und ein Fels, 6 Meilen breit, dem ein Ende setzte.
Außerdem wurde dem Astronaut Lev Andropov in der "Raschen Späs Steschon" ein musikalischer Raumanzug verpasst. Die mit vielen elektronischen Hilfsmittelchen gestrickte Musik passte perfekt in Bruckheimers Special-Effekt-Knaller.

Trickreich ging es auch bei dem wilden Ameisen-Feldzug Antz aus Spielberg's Dreamworks Studio zu. Hier vertonte Steve die "Antz Marching Band", die kurz auch auf der Soundtrack-CD loströten konnte. Auch von Dreamworks kam Chicken Run, diesmal waren es Hühner in Knetgummi, die Steve Jablonsky z. B. bei der "Lift up"-Sequenz unterstützte. Spielend weiter ging's schließlich mit der Game-Musik zum Playstation 2 Spiel Metal Gear Solid 2 - Sons of liberty, für das Steve einen Großteil der Musik beisteuerte. "Das Spiel hat viel Spaß gemacht. Gleichzeitig auch nicht einfach, weil wir keine fertigen Bilder, sondern oft nur einzelne Beschreibungen der Szenen hatten.", erinnert sich der Media Ventures Komponist.

 


Kidnapping von Hannibal Lector

Auch "Solo" legte er zwischenzeitlich bei der Vertonung der Sport-Dokumentation ESPN Sportscentury fürs TV an. 2001 hatte die Zeit als Assistent von Harry Gregson-Williams ein Ende, Steve konnte nun in seinem eigenen Composing-Room weitermachen. Eines der ersten Projekte war die zusätzliche Musik für den Ridley-Scott-Festschmaus Hannibal , die er mit Hans Zimmer zum Besten gab. Ein Cue daraus war etwa die Kidnapping-Szene, in der Hannibal Lector entführt wird.

Ein ganz großes Ding in Steve's Karriere folgte mit dem Glanz-und-Gloria Epos Pearl Harbor. Hier steuerte er die exzellente und viel beachtete Original Trailer-Musik bei. Dabei gab's unterschiedliche Versionen: eine europäische Fassung und eine für den amerikanischen Markt. Nach den erfolgreichen Cues folgte noch zusätzliche Musik für den Hafen-Angriff und zwar bei der Nummer "Dorie the hero" - das ist die Szene, in der Cuba Gooding Jr. auf dem Kriegsschiff an der FLAG einen japanischen Flieger vom Himmel holt.

Außerdem komponierte er einen Großteil des CD-Tracks "War". Im Film startet zu dieser Musik die Spezialeinheit der Amis ihren Gegenschlag auf Tokio. Zwar hatte der Streifen viele schöne Bilder, wurde aber mit etwas zuviel Herz-Schmerz und rohem Pathos überfrachtet.

 


Mit Songs und Score bei Spirit aufgesattelt

 

Mit mehr Gefühl ging es dann wieder zusammen mit Hans Zimmer darum als Co-Komponist bei dem Animationsfilm Spirit - Stallion of the Cimarron, den wilden Mustang galoppieren zu lassen. Ein große Chance, auch weil Steve den Song "Brothers under the sun" für Bryan Adams besteuern durfte. Und die Chance hat er genutzen. Für die Arbeit verschlägt es Steve in Hans' Composing Room ("Mehr Platz"), wo auch prompt die eigenen Boxen ("Dafür habe ich zu viel Geld bezahlt") aufgebaut werden.

Dort dreht sich auch der Original-Ventilator aus dem Streifen Hannibal, ein Geschenk von Ridley Scott. Und auch Steve dreht sich (die Uhr zeigt bereits 9 p.m. - also 21 Uhr) zu später Stunde wieder der Arbeit zu, Nachtschichten kennt er (beim Usher-Streifen Light it up komponierte er ausschließlich wenn's dunkel war) und macht auch zu dieser Zeit einfach weiter - ein ganz normaler Tag scheinbar, in der Traumfabrik Hollywood.

 

Spirit - der wilde Mustang galoppierte mit zusätzlicher Musik von Steve Jablonsky durch die Steppe; das Foto entstand während der Scoring Arbeit.

Foto: Dirk Hein / hanszimmer-archiv.de

 


Scores (Projekte als Komponist)

Live from Baghdad (2002/TV)
Spirit (2002/Co)
Pearl Harbor (2001/Co)
Hannibal (2001/Co)
King of the Jungle (2000/Co)
Chicken Run (2000/Co)
SportsCentury: The Century's Greatest Atheletes (2000/TV)
Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty (2000/Playstation 2)
The Tigger Movie (1999/Co)
Light it up (1999/Co)
The Match (1999/Co)
The Magic of Marciano (1999/Co)
Whatever happened to Harold Smith (1999/Co)
Swing Vote (1999/TV/Co)
Enemy of the state (1999/Co)
Antz (1999/Co)
Armageddon (1998/Co)
Border to Border (1998)
The Replacement-Killers - Die Ersatzkiller (1998/Co)
The Borrowers - Ein Fall für die Borger (1997/Co)
Deceiver/Liar - Scharfe Täuschung (1997/Co)
Smilla's Sense of Snow - Fräulein Smilla's Gespür für Schnee (1997/Co)
Anywhere but here (199x)

 

Scores (Projekte als Crew-Mitglied)

 
Spirit (2002/Song-Writer)
From Dusk Till Dawn 3 (2000/Co-Arrangeur/Technical Advisor)
Armageddon (1998/Sound-Programmer)
The Replacement-Killers - Die Ersatzkiller (1998/Score-Recordist)
The Borrowers - Ein Fall für die Borger (1997/Synth-Recordist)
Smilla's Sense of Snow - Fräulein Smilla's Gespür für Schnee (1997/Synth-Recordist)


 

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