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CD-Reviews

 

The Thin Red Line

Score composed by Hans Zimmer

Additional music by John Powell

 

 

Track
Titel
Spielzeit
Bewertung

1.

The Coral Atoll

8:00

2.

The Lagoon

8:36

3.

Journey To The Line

9:21

4.

Light

7:19

5.

Beam

3:44

6.

Air

2:23

7.

Stone In My Heart

4:28

8.

The Village

5:52

9.

Silence

5:06

10.

God U Tekem Laef Blong Mi

1:58

11.

Sit Back and Relax

2:06

 

Hintergrund
 

Wenig Glück mit Goldjungen: Terrence Malick's Anti-Kriegsfilm wurde 1999 für insgesamt sieben Oscars nominiert, ging jedoch leer aus.
Unter anderem gehörte auch Hans Zimmer's Score zu den Nominierten. Der Film lief im Oscarrennen im direktem Konkurrenzkampf mit Steven Spielberg's "Soldat James Ryan", der sich mit der gleichen Thematik befasste - nämlich dem Zweiten Weltkrieg. Während Spielberg jedoch Europa als Kriegsschauplatz wählte, spielte "The Thin Red Line" (deutscher Titel: Der schmale Grat) in der Pazifikregion
.
Mehr Glück mit Auszeichnungen konnte der Streifen in Europa erfahren: Prämiert wurde der Film schließlich bei der Berlinale, wo er mit dem "Goldenen Bären" für den besten Film geehrt wurde.

Hans Zimmer's Score ist unter dem Label "RCA Victor" erschienen. Francesco Lupica komponierte den letzten Track auf der CD "Sit back and relax", außerdem steuerte Media Ventures Kollege John Powell beim Track "Beam" zusätzliche Musik bei. Zimmer adaptierte für Teile seines Scores die amerikanische Volkshymde "Christian Race".

 

 

CD-Kritik
 

Zugegeben, "The Thin Red Line" als leichte Kost zu bezeichnen wäre fatal, und wer als Betrachter bei den 170 Kinominuten, angesichts der realistisch grausamen Bilder hin und wieder schlucken musste und sich zwischen apokalyptischen Kampfszenen, philosophischen Zwischentönen und beindruckenden Landschaftfotografien einmal verlieren sollte, steht mit Sicherheit nicht alleine da.
Der Hauptgrund für die fesselnde Atmosphäre und die unabkömliche Stimmung des Films ist - neben den beeindruckenden Kameraeinstellungen - nicht zuletzt Hans Zimmer's meisterhafter Score.

Und doch ist dieser "Zimmer" eigentlich ganz anders, als vorherige Soundtracks aus seinem, oft mit Kommerz-Streifen belagertem, Studio in Santa Monica. Denn kaum ein Score war so dunkel und tragisch, gleichzeitig aber immer passend und stimmungsvoll.

Die Musik ist in keiner Sekunde patriotisches Militärgetöse, sondern ganz wie der Film, eine sensible Aufarbeitung des traumatischen Kriegswahnsinns. Im Vordergrund stehen die Empfindungen der einzelnen Charaktere, ohne jedoch einer Hauptperson genau zu folgen. Der Film zeichnet mit faszinierender Detailgenauigkeit auch den Wahnsinn, den der Krieg an seiner Umwelt anrichtet. Zimmer's Score unterstützt dies in vielen Punkten ideal. Mit dunkelen, tragischen und immer stimmungsgetreuen Tönen schafft es die Musik den Kinogänger immer wieder im Geschehen zu fokusieren, ohne jedoch eine Atempause aus der beklemmend realistischen Szenerie der Bilder zu gewähren.

Ein besonderer Leckerbissen für Filmmusik-Fans ist der Track "Journey to the line". Ein sich immer weiter aufbauender dunkler, tragischer, spannungserzeugender Melodiepfaden, fasziniert den Zuhörer und gipfelt in einem offenen, melodischen Thema.
Mit Hilfe von zahlreichen Blas- und Streichinstrumenten kommt in diesem Track die erste richtig laute und dominante Rolle der Musik zum Tragen. Selbst Zimmer-Fans, die mit dem sonst sehr anspruchsvollen (aber hochklassigen) Score nicht viel anfangen können, weil vielleicht zu wenig actionreiche Musik geboten wird, werden von diesem Track begeistert sein. Auch im Film wird der Cue in jeder Beziehung überzeugend eingesetzt (bei der Erstürmung eines feindlichen Dorfes). Allein hierfür lohnt es sich in die CD hineinzuhören.

Viele CD-Konsumenten werden vielleicht die im Trailer verwendete Musik des "Choir of all Saints" vermissen. In diesem Fall sollte auf einen zweiten - nachträglich veröffentlichten - "Red Line" Soundtrack zurückgegriffen werden.

Fans, die einen actiongeladenen Hans Zimmer erwarten, werden mit dieser CD sicherlich überhaupt nicht bedient. Dafür erhält man einen reifen, anspruchvollen und stellenweise meisterhaften Score, der durch seine Treffsicherheit in Sachen Stimmung und Atmosphäre genau den richtigen Ton trifft.

Wer diese CD nicht sein eigen nennt, verpasst ein absolut hörenswertes Stück Filmmusikkunst.

 

 

 

Gesamtbewertung
6 von 6 Punkten

 

 

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